Krankenhaus-Entlassung 2026: Entlassmanagement wird bundesweit zum Nadelöhr der Pflege

26.02.2026 · Redaktion

Nach einem Krankenhausaufenthalt entscheidet oft nicht die medizinische Entlassung, sondern die anschließende Organisation darüber, ob der Alltag zuhause gelingt. 2026 rückt das Entlassmanagement bundesweit stärker in den Fokus, weil Übergänge zwischen Klinik, ambulanter Versorgung und häuslicher Pflege zunehmend zur Belastungsprobe werden.

Pflegeberater und Sozialdienste berichten von einer steigenden Zahl komplexer Fälle: Menschen kommen nach Operationen oder akuten Erkrankungen geschwächt nach Hause, benötigen kurzfristig Unterstützung und sind gleichzeitig auf Hilfsmittel, Pflegegrad-Leistungen oder eine vorübergehende Versorgung angewiesen. In der Praxis kollidieren dabei mehrere Engpässe. Ambulante Dienste sind vielerorts ausgelastet, Kurzzeitpflegeplätze sind begrenzt, und die Beschaffung bestimmter Hilfsmittel dauert mitunter länger als erwartet.

Besonders anspruchsvoll wird es, wenn die häusliche Umgebung nicht vorbereitet ist. Fehlende Haltegriffe, Stufen am Eingang, schmale Türen oder ein nicht barrierearmes Bad können dazu führen, dass Pflegebedürftige unmittelbar nach der Entlassung einem erhöhten Sturzrisiko ausgesetzt sind. Fachleute raten daher, bereits während des Klinikaufenthalts zu prüfen, welche Anpassungen nötig sind. Dazu zählen beispielsweise temporäre Lösungen wie Duschhocker, Haltegriffe, rutschhemmende Matten oder Bett-Erhöhungen, aber auch größere Maßnahmen wie Badumbau oder Treppenhilfen.

Für Haushalte mit anerkanntem Pflegegrad bleibt die Förderung wohnumfeldverbessernder Maßnahmen ein zentraler Baustein. Pflegekassen können hierfür bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme gewähren. Entscheidend ist häufig die richtige Reihenfolge: erst Bedarf klären, dann Angebote einholen, dann Antrag stellen. Wer ohne Planung startet, riskiert Verzögerungen oder vermeidbare Kosten.

Auch Kommunikation wird zum Schlüsselfaktor. Kliniken, Hausärzte, Pflegedienste und Angehörige arbeiten oft unter Zeitdruck und mit unterschiedlichen Informationsständen. Experten empfehlen, eine zentrale Ansprechperson zu benennen, Unterlagen geordnet zu sammeln und schriftlich festzuhalten, welche Unterstützung ab welchem Tag notwendig ist. Ein kurzes Übergabeprotokoll mit Medikamentenplan, Mobilitätsstatus, Hilfsmittelbedarf und Ansprechpartnern kann im Alltag viel Chaos vermeiden.

Branchenvertreter erwarten, dass Entlassmanagement 2026 politisch und organisatorisch weiter aufgewertet wird. Denn jeder missglückte Übergang erhöht das Risiko für Komplikationen, Wiederaufnahmen und langfristige Pflegebedürftigkeit. Die zentrale Botschaft: Eine gute Entlassung ist kein Datum, sondern ein Prozess.

Teilen: E‑Mail WhatsApp Facebook X LinkedIn Telegram

← Zurück zum Archiv